KI-gestützte Anamnese: Das Anamnesegespräch dokumentieren lassen
Bei der KI-gestützten Anamnese hört eine Software beim Gespräch zu und erstellt daraus einen Entwurf für die Akte. Sie erfasst, was gesagt wurde, stellt aber keine Diagnose und ersetzt nicht die Prüfung durch die Ärztin oder den Arzt.
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Was KI-gestützte Anamnese bedeutet
Mit KI-Anamnese sind heute meist zwei verschiedene Dinge gemeint. Das eine sind digitale Fragebögen, die Patientinnen vor dem Termin am Tablet oder zu Hause ausfüllen. Das andere ist Software, die das Anamnesegespräch zwischen Ärztin und Patient mithört und daraus eine strukturierte Notiz entwirft.
Dieser Artikel behandelt die zweite Variante. Sie setzt dort an, wo die meisten Informationen tatsächlich entstehen: im Gespräch. Die Anamnese gehört nach § 630f Abs. 2 BGB ausdrücklich zu den Inhalten, die in der Behandlungsakte aufzuzeichnen sind.
Anamnese im Gespräch statt nur im Formular
Ein Anamnesebogen fragt Vorerkrankungen, Medikamente und Allergien in fester Reihenfolge ab. Das ist nützlich, bleibt aber oft lückenhaft. Patientinnen kreuzen „nein“ an, weil sie eine Frage anders verstehen, oder lassen Felder leer.
Im Gespräch kommen Einzelheiten zur Sprache, die kein Formular vorsieht: wann eine Beschwerde begonnen hat, was sie verschlimmert, warum ein Medikament abgesetzt wurde. Diese Inhalte gehen verloren, wenn die Notiz erst nach dem Termin aus dem Gedächtnis geschrieben wird. Wer das Anamnesegespräch dokumentieren will, ohne währenddessen zu tippen, kann diese Arbeit an eine Software abgeben, die mitschreibt.
Was eine KI aus dem Gespräch erfassen kann
Eine KI für die Anamnese arbeitet mit dem, was im Raum gesagt wird. Daraus kann sie erfassen:
- die geschilderten Beschwerden mit Beginn, Verlauf und Auslösern
- genannte Vorerkrankungen und frühere Eingriffe
- Medikamente, so wie sie im Gespräch genannt werden
- Allergien und Unverträglichkeiten
- Angaben zur Familien- und Sozialanamnese
- Fragen der Patientin oder des Patienten
- das besprochene weitere Vorgehen
Die Software ordnet diese Angaben den Abschnitten einer Vorlage zu. So entsteht ein Entwurf, der die Gliederung der Praxis einhält, statt eines bloßen Wortprotokolls.
Was eine KI nicht erfassen kann
Die Grenzen sind ebenso wichtig wie die Möglichkeiten. Eine KI, die nur zuhört, erfasst nur Gesagtes:
- Keine Diagnose: Die Einordnung der Angaben bleibt ärztliche Aufgabe. Eine Dokumentationssoftware sollte keine Verdachtsdiagnosen ergänzen, die im Gespräch nicht gefallen sind.
- Keine Untersuchungsbefunde, die niemand ausspricht: Was die Ärztin sieht oder tastet, aber nicht sagt, kommt im Entwurf nicht vor.
- Nichts, was die Patientin verschweigt oder vergisst: Die Vollständigkeit der Anamnese hängt weiter von den Fragen ab, die gestellt werden.
- Keine Garantie für jedes Wort: Medikamentennamen, Dosierungen und Zahlen können falsch verstanden werden. Gerade diese Stellen brauchen eine Prüfung.
Beispiele aus drei Fachgebieten
Die folgenden Auszüge zeigen, wie ein Entwurf gegliedert sein kann. Sie sind ausgedachte Beispiele ohne Messwerte und keine fachliche Empfehlung, was eine Anamnese enthalten muss.
Innere Medizin
Auszug aus einer internistischen Notiz nach einem Erstgespräch:
- Anlass: seit einigen Wochen zunehmende Müdigkeit und Luftnot beim Treppensteigen, laut Patientin
- Vorerkrankungen: Bluthochdruck seit Jahren bekannt
- Medikation: Blutdruckmittel, Name im Gespräch genannt, Dosis nicht genannt
- Allergien: keine bekannt, laut Patientin
- Sozialanamnese: Nichtraucherin, berufstätig im Büro
- Weiteres Vorgehen: Blutabnahme vereinbart, Ergebnis wird im nächsten Termin besprochen
- Hinweis zur Prüfung: Dosierung der Medikation im Gespräch nicht eindeutig
Prämedikationsgespräch in der Anästhesie
Auszug aus einer Notiz zum Prämedikationsgespräch vor einem geplanten Eingriff:
- Geplanter Eingriff: laut Patient ambulante Operation am Knie
- Frühere Narkosen: Vollnarkose vor einigen Jahren, danach Übelkeit
- Vorerkrankungen: Asthma, derzeit nach eigener Angabe beschwerdefrei
- Dauermedikation: Asthmaspray bei Bedarf
- Gerinnungshemmer: werden laut Patient nicht eingenommen
- Zahnstatus: keine lockeren Zähne, keine Prothese genannt
- Besprochen: Verhalten am OP-Tag, Fragen zur Narkose beantwortet
- Hinweis zur Prüfung: Name des Asthmasprays nicht sicher verstanden
Augenheilkunde
Auszug aus einem Vorgespräch zur Katarakt-Operation:
- Beschwerden: zunehmend verschwommenes Sehen und Blendung beim Autofahren, rechts stärker als links
- Frühere Augenerkrankungen und Operationen: keine genannt
- Allgemeine Vorerkrankungen und Medikamente: laut Patientin Diabetes, Medikamente im Gespräch genannt
- Wunsch: möglichst gutes Sehen in der Ferne, Lesebrille wird akzeptiert
- Besprochen: Ablauf der Operation, Termin für die Voruntersuchung
- Hinweis zur Prüfung: Seitenangabe im Gespräch einmal widersprüchlich
In allen drei Fällen fehlt bewusst, was nicht gesagt wurde. Befunde der Untersuchung, Messwerte und die Diagnose ergänzt die Ärztin oder der Arzt selbst.
Prüfen und Übernehmen
Ein KI-Entwurf ist ein Vorschlag, kein fertiger Akteneintrag. Die Verantwortung für den Inhalt der Behandlungsakte bleibt bei der Behandlerin oder dem Behandler. Ein kurzer Prüfablauf hilft:
- Markierte Stellen zuerst: Was die Software als unsicher kennzeichnet, gegen die eigene Erinnerung prüfen.
- Medikamente und Zahlen: Namen, Dosierungen und Zeitangaben gezielt lesen.
- Fehlendes ergänzen: Befunde und Einschätzungen, die nicht ausgesprochen wurden, selbst eintragen.
- Übernehmen: Erst danach den Text in die Praxissoftware übernehmen.
Nach § 630f Abs. 1 BGB ist die Akte in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit der Behandlung zu führen. Ein Entwurf, der direkt nach dem Gespräch vorliegt, erleichtert das. Mehr zu den Anforderungen an die Akte steht im Artikel zur Dokumentationspflicht.
Anamnese mit Chetti
Chetti (KI-Dokumentation für die Arztpraxis) hört beim Gespräch zu, erstellt ein Live-Transkript und daraus einen Entwurf der Notiz in der Gliederung der gewählten Vorlage. Die Notiz enthält nur, was im Gespräch gesagt wurde. Chetti ergänzt keine Befunde, Maßnahmen oder Diagnosen. Stichpunkte werden gegen das Transkript geprüft, nicht sicher Belegtes erscheint als „Hinweis zur Prüfung“.
Für die Zahnmedizin gibt es eine Vorlage „Anamnesegespräch“. Für die Innere Medizin gibt es die Internistische Notiz, für die Anästhesiologie das Prämedikationsgespräch, für die Augenheilkunde unter anderem die Augenärztliche Notiz und das Vorgespräch Katarakt-OP. Eigene Vorlagen lassen sich anlegen. Die Ärztin prüft die Notiz und kopiert sie mit einem Klick in die Praxissoftware, eine Schnittstelle ist nicht nötig.
Chetti ist kein digitaler Anamnesebogen, den Patientinnen vorab ausfüllen, und kein System für das Narkoseprotokoll. Es dokumentiert das Gespräch.
Zum Datenschutz: Was im Anamnesegespräch gesagt wird, sind Gesundheitsdaten im Sinne von Art. 9 DSGVO. Für Konten verarbeitet Chetti Spracherkennung und Sprachmodell lokal auf dem Praxisrechner. Gespräche, Transkripte und Notizen verlassen den Rechner nicht, Tonaufnahmen werden nicht gespeichert. Welche Regeln für KI und Gesundheitsdaten allgemein gelten, beschreibt der Artikel zu KI in der Arztpraxis und Datenschutz.
Häufige Fragen
Stellt eine KI-gestützte Anamnese eine Diagnose?
Eine Dokumentationssoftware wie Chetti nicht. Sie hält fest, was im Gespräch gesagt wurde, und ergänzt keine Diagnosen. Die Einordnung der Angaben bleibt ärztliche Aufgabe.
Ersetzt die KI den Anamnesebogen?
Nicht unbedingt. Ein Bogen fragt Standardangaben vorab ab, die KI erfasst, was im Gespräch dazukommt. Beides lässt sich kombinieren. Chetti selbst ist kein digitaler Anamnesebogen.
Was passiert, wenn die KI ein Medikament falsch versteht?
Das kann vorkommen, besonders bei Namen und Dosierungen. Deshalb ist der Entwurf vor der Übernahme zu prüfen. Chetti kennzeichnet Stichpunkte, die nicht sicher durch das Transkript belegt sind, als „Hinweis zur Prüfung“.
Welche Hardware braucht Chetti für die Anamnese?
Einen Windows-PC oder Mac mit Apple-Chip, mindestens 8 GB Arbeitsspeicher und 4 Prozessorkerne. Ab 16 GB lässt sich ein größeres Sprachmodell nutzen. Ein kostenloses Konto zum Testen gibt es unter chettiai.de/app.
Chetti in Ihrer Praxis ausprobieren
Mit einem kostenlosen Konto nutzen Sie Chetti direkt im Browser. Die Gespräche verarbeitet der Chetti-Helfer auf dem Rechner Ihrer Praxis.