# Patientenbrief schreiben

Ein Patientenbrief erklärt der Patientin oder dem Patienten in einfacher Sprache, was festgestellt wurde, was behandelt wurde und was als Nächstes zu tun ist. Er ergänzt den Arztbrief und ersetzt ihn nicht.

## Was ein Patientenbrief ist

Der Arztbrief richtet sich an Kolleginnen und Kollegen und darf Fachsprache verwenden. Der Patientenbrief richtet sich an die Person, um die es geht. Er beschreibt dieselben Inhalte in Worten, die man ohne medizinische Ausbildung versteht, und endet mit dem, was die Patientin selbst tun soll.

Einen Patientenbrief zu schreiben lohnt sich vor allem nach Eingriffen, bei neuen Diagnosen und wenn sich die Medikation ändert. Vieles, was im Gespräch erklärt wurde, ist zu Hause schon wieder vergessen. Ein Brief zum Nachlesen hilft auch Angehörigen, die bei der Besprechung nicht dabei waren.

### Hintergrund: das Projekt PASTA

In Deutschland wurde der Patientenbrief im Innovationsfondsprojekt PASTA („Patientenbriefe nach stationären Aufenthalten“) erprobt. Konsortialführer war die gemeinnützige „Was hab’ ich?“ gGmbH, erprobt wurde am Herzzentrum Dresden. Eine Software erstellte dort laienverständliche Briefe ergänzend zum herkömmlichen Entlassungsbrief.

Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss hat am 21. Januar 2022 empfohlen, die Ergebnisse in die Regelversorgung zu überführen. Laut [Beschluss](https://innovationsfonds.g-ba.de/downloads/beschluss-dokumente/130/2022-01-21_PASTA.pdf) zeigte die Evaluation einen positiven, wenn auch geringen Effekt auf die Gesundheitskompetenz, besonders bei Älteren und chronisch Erkrankten. Die Patientinnen und Patienten bewerteten den Brief mit großer Mehrheit als verständlich, hilfreich und informativ. Der Beschluss nennt auch Grenzen: Die Wirkung auf gesundheitsbezogene Endpunkte wurde nicht untersucht.

Das Projekt betraf Krankenhausentlassungen. Die Grundidee lässt sich auf die Praxis übertragen, wenn eine Behandlung erklärt werden muss.

## Was in einen Patientenbrief gehört

Ein Patientenbrief beantwortet die Fragen, die Patientinnen und Patienten nach einem Termin tatsächlich haben:

1. **Was habe ich?** Die Diagnose in einfachen Worten, der Fachbegriff in Klammern.
2. **Was wurde gemacht?** Untersuchungen und Behandlung in der Reihenfolge, in der sie stattfanden.
3. **Was bedeutet das für mich?** Was sich im Alltag ändert, etwa beim Essen, beim Sport oder bei der Arbeit.
4. **Was muss ich tun?** Medikamente mit Zeitpunkt und Menge, Verhaltenshinweise, der nächste Termin.
5. **Wann sollte ich mich melden?** Beschwerden, bei denen die Patientin anrufen oder kommen soll.

Alles, was im Brief steht, muss aus der Akte stammen. Ein Patientenbrief ist kein Ort für allgemeine Gesundheitstipps, die mit dieser Behandlung nichts zu tun haben.

## Regeln für einfache Sprache

Einfache Sprache heißt nicht, Inhalte wegzulassen. Es heißt, sie so zu sagen, dass sie beim ersten Lesen ankommen. Die folgenden Regeln haben sich bewährt:

- Kurze Sätze mit einer Aussage pro Satz.
- Aktiv statt Passiv: „Wir haben den Zahn gezogen“ statt „Es erfolgte die Extraktion“.
- Die Patientin direkt ansprechen, mit „Sie“ und „Ihr“.
- Fachbegriffe nur, wenn sie später wieder auftauchen, etwa auf einem Rezept. Dann einmal erklären.
- Abkürzungen ausschreiben.
- Zahlen mit Einheit und Bedeutung angeben, etwa „Ihr Blutdruck war mit 160 zu 95 zu hoch“.
- Anweisungen als nummerierte Schritte schreiben.
- Seitenangaben und Körperstellen so beschreiben, dass man sie findet, zum Beispiel „unten links“.

Lesen Sie den Brief zum Schluss so, als hätten Sie das Gespräch nicht geführt. Jede Stelle, an der Sie stocken, ist eine Stelle, an der die Patientin auch stockt.

## Beispiel: ein Arztbrief in einfacher Sprache

Ein Auszug aus einer zahnärztlichen Dokumentation, wie er in einem Arztbrief stehen könnte:

**Vorher:** Zahn 36 profunde Karies mit Pulpabeteiligung, Pulpitis irreversibilis. Vitalexstirpation in Leitungsanästhesie, medikamentöse Einlage, provisorischer Verschluss. Wiedervorstellung in einer Woche zur Wurzelkanalaufbereitung.

Derselbe Inhalt im Patientenbrief:

**Nachher:** Ihr Zahn unten links, der sechste von der Mitte aus gezählt, hatte ein tiefes Loch. Die Karies reichte bis zum Zahnnerv und hat ihn so stark entzündet, dass er nicht mehr heilen konnte. Wir haben den Nerv unter örtlicher Betäubung entfernt. Danach haben wir ein Medikament in den Zahn gelegt und ihn vorläufig verschlossen. In einer Woche sehen wir uns wieder. Dann reinigen wir die Wurzelkanäle weiter.

Im Nachher-Text steht nichts, was im Vorher-Text fehlt. Die Zahnnummer ist durch eine Ortsangabe ersetzt, die Fachbegriffe sind in Handlungen übersetzt. Falls Schmerzen auftreten, gehört ein Hinweis dazu nur hinein, wenn er besprochen und dokumentiert wurde.

## Patientenbrief-Vorlage: eine feste Gliederung

Wer regelmäßig Patientenbriefe schreibt, kommt mit einer festen Gliederung schneller voran als mit einer neuen Formulierung für jeden Fall. Eine schlichte Vorlage:

1. Anrede
2. Warum Sie bei uns waren
3. Was wir festgestellt haben
4. Was wir gemacht haben
5. Was Sie jetzt tun sollten
6. Wann Sie sich melden sollten
7. Ihr nächster Termin
8. Gruß und Kontakt der Praxis

Abschnitte, zu denen die Akte nichts enthält, lassen Sie weg. Ein kurzer, vollständiger Brief ist hilfreicher als ein langer mit Platzhaltern.

## Vor dem Aushändigen prüfen

Ein Patientenbrief ist ein Dokument der Praxis. Prüfen Sie vor dem Aushändigen:

- Stimmen Name, Datum und behandelte Stelle mit der Akte überein?
- Sind Medikamente, Dosierung und Einnahmezeiten richtig übertragen?
- Ist der nächste Termin korrekt und liegt er in der Zukunft?
- Passt die Anrede? Wenn das Geschlecht nicht eindeutig dokumentiert ist, ist eine neutrale Anrede die sichere Wahl.
- Ist beim Vereinfachen eine Aussage verloren gegangen oder verändert worden?

Der letzte Punkt ist der wichtigste. Aus „Verdacht auf“ darf beim Vereinfachen keine sichere Diagnose werden.

## Patientenbrief mit Chetti entwerfen

Chetti erstellt einen Entwurf aus der Akte. Sie kopieren die Akte in der Praxissoftware mit Strg+A und Strg+C, fügen sie in Chetti ein und wählen Patientenbrief sowie die Fachrichtung oder „Automatisch“. Chetti bereinigt die Akte und gliedert Karteikarten mit mehreren Behandlungstagen in Stammdaten, Vorgeschichte und jüngsten Behandlungstag. Der Brief erscheint Wort für Wort und lässt sich kopieren.

Zahlen im Brief, die in den Daten nicht vorkommen, sind grau markiert. Termine, die vor dem jüngsten Behandlungstag liegen, aber als kommend genannt sind, werden ebenfalls markiert. Das Geschlecht übernimmt Chetti nur aus eindeutigen Angaben. Die Verarbeitung läuft für Konten lokal auf dem Praxisrechner, die Akte erreicht uns nicht. Mehr zum Ablauf und zu den Voraussetzungen steht auf der Seite [Arztbrief mit KI erstellen](/de/ki-arztbrief). Wie sich Patientenbrief, Arztbrief und Befundbericht unterscheiden, erklärt der Beitrag [Befundbericht schreiben](/de/blog/befundbericht-arztbrief-unterschied).

## Häufige Fragen

### Ersetzt der Patientenbrief den Arztbrief?

Nein. Der Arztbrief informiert mitbehandelnde Ärztinnen und Ärzte in Fachsprache. Der Patientenbrief erklärt dieselben Inhalte der Patientin oder dem Patienten und wird zusätzlich ausgehändigt.

### Wie lang sollte ein Patientenbrief sein?

So kurz, dass er gelesen wird, und so lang, dass die Fragen aus dem Abschnitt „Was in einen Patientenbrief gehört“ beantwortet sind. Abschnitte ohne Inhalt in der Akte lassen Sie weg.

### Gibt es eine Vorlage für den Patientenbrief?

Eine verbindliche Vorlage gibt es nicht. Die Gliederung oben deckt die üblichen Fragen ab: Anlass, Befund, Behandlung, was zu tun ist, wann man sich melden soll und der nächste Termin.

### Kann eine KI einen Arztbrief in einfache Sprache übersetzen?

Ja, als Entwurf. Chetti erstellt aus der eingefügten Akte einen Patientenbrief und markiert Zahlen, die in den Daten nicht vorkommen. Prüfen Sie vor dem Aushändigen besonders, ob beim Vereinfachen eine Aussage verändert wurde.

### Wo kann ich das ausprobieren?

Ein kostenloses Konto zum Testen erhalten Sie unter [chettiai.de/app](/app). Nötig sind ein Windows-PC oder ein Mac mit Apple-Chip mit mindestens 8 GB Arbeitsspeicher und 4 Prozessorkernen.
