# Was ist ein Ambient Scribe? KI-Dokumentation im Gespräch erklärt

„Ambient Scribe“ ist der englische Name für Software, die beim Behandlungsgespräch mithört und daraus die Dokumentation schreibt. Im Deutschen spricht man meist von KI-Dokumentation oder KI-gestützter Gesprächsdokumentation.

## Der Begriff

„Scribe“ heißt Schreiber. In den USA führen in vielen Praxen und Kliniken medizinische Schreibkräfte während der Behandlung die Akte. „Ambient“ bedeutet, dass die Software im Hintergrund läuft: Niemand diktiert, niemand bedient sie während des Gesprächs. Ein Ambient Scribe übernimmt also die Rolle der Schreibkraft, ohne dass jemand im Raum sitzt.

## Wie ein Ambient Scribe arbeitet

Technisch besteht ein Ambient Scribe aus zwei Schritten.

1. **Spracherkennung:** Ein Modell wandelt das Gespräch in Text um. Gute Systeme kennen medizinische Fachbegriffe und Medikamentennamen. Manche ordnen den Sätzen außerdem die Sprecher zu.
2. **Zusammenfassung:** Ein Sprachmodell liest das Transkript und schreibt daraus die Notiz. Es entscheidet, welche Aussagen Beschwerden, Befunde oder Maßnahmen sind, und ordnet sie in die Abschnitte einer Vorlage.

Das Ergebnis ist ein Entwurf, den die Ärztin oder der Arzt prüft und in die Akte übernimmt. In England hat der staatliche Gesundheitsdienst eine eigene [Leitlinie von NHS England zu Ambient Scribes](https://www.england.nhs.uk/long-read/guidance-on-the-use-of-ai-enabled-ambient-scribing-products-in-health-and-care-settings/) veröffentlicht. Sie behandelt unter anderem Risikobewertung, Datenschutz-Folgenabschätzung und die Frage, wann ein solches Produkt als Medizinprodukt gilt.

## Ablauf in der Sprechstunde

In der Praxis sieht ein Termin mit Ambient Scribe so aus:

1. Vor dem Gespräch starten Sie die Aufnahme am Rechner. Die Patientin oder der Patient weiß Bescheid, etwa durch einen Aushang oder einen kurzen Satz.
2. Sie führen das Gespräch wie gewohnt. Während der Untersuchung benennen Sie Befunde laut, damit sie im Transkript stehen.
3. Am Ende beenden Sie die Aufnahme. Die Software erstellt den Entwurf der Notiz in der Gliederung Ihrer Vorlage.
4. Sie lesen den Entwurf, korrigieren einzelne Punkte und übernehmen ihn in die Praxissoftware.

Der Unterschied zum Diktat liegt im zweiten Schritt. Beim Diktat formulieren Sie die Akte nach dem Gespräch noch einmal selbst. Beim Ambient Scribe entsteht der Text aus dem Gespräch, das ohnehin stattfindet. Mehr zu diesem Unterschied steht unter [Spracherkennung in der Arztpraxis](/de/spracherkennung-arztpraxis).

## Was ein Ambient Scribe nicht ersetzt

Ein Ambient Scribe kennt nur das Gesprochene. Was Sie sehen, tasten oder messen, ohne es auszusprechen, fehlt in der Notiz. Viele Ärztinnen und Ärzte gewöhnen sich deshalb an, Befunde während der Untersuchung kurz zu benennen, etwa „Zahn 36, Füllungsrand undicht“.

Sprachmodelle können außerdem Inhalte hinzufügen, die nicht gesagt wurden, oder Zahlen, Seiten und Verneinungen vertauschen. Ein gutes System begrenzt dieses Risiko und macht unsichere Stellen sichtbar. Die Prüfung vor dem Übernehmen bleibt trotzdem Pflicht, denn die Verantwortung für die Akte liegt bei den Behandelnden.

## Fragen vor dem Einsatz

- **Wo werden Ton und Text verarbeitet?** In der Cloud des Anbieters, bei einem Unterauftragnehmer oder auf dem Praxisrechner?
- **Wird die Aufnahme gespeichert?** Und wenn ja, wie lange und wo?
- **Wie geht das System mit Unsicherheit um?** Werden Aussagen gegen das Transkript geprüft und Abweichungen markiert?
- **Passt die Notiz zu Ihrer Akte?** Lassen sich Gliederung und Fachbegriffe anpassen?
- **Wie kommt die Notiz in die Praxissoftware?** Per Schnittstelle oder per Kopieren und Einfügen?
- **Was sagen Patientinnen und Patienten?** Informieren Sie vor der Aufnahme darüber, dass das Gespräch für die Dokumentation erkannt wird.

Zum Datenschutz bei KI in der Praxis gibt es einen eigenen Artikel: [KI in der Arztpraxis und Datenschutz](/de/blog/ki-arztpraxis-datenschutz). Eine Checkliste für den Vergleich mehrerer Angebote finden Sie unter [KI-Dokumentation auswählen](/de/ki-dokumentation-auswahl).

## Cloud oder lokal

Die meisten Ambient Scribes laufen in der Cloud. Die Aufnahme geht an Server des Anbieters, dort entstehen Transkript und Notiz. Das setzt einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung, eine Verpflichtung zur Verschwiegenheit und eine Prüfung der Serverstandorte voraus.

Seit Sprachmodelle kleiner und schneller geworden sind, lassen sich beide Schritte auch auf einem gewöhnlichen Praxisrechner ausführen. Dann verlassen Ton und Text die Praxis nicht. Der Preis dafür: Das Tempo hängt vom Rechner ab, und sehr alte Geräte reichen nicht aus. Was lokal genau bedeutet, beschreibt die Seite [Lokale KI für die Arztpraxis](/de/lokale-ki-arztpraxis).

## Vom Gespräch zum Brief

Viele Ambient Scribes erstellen neben der Notiz auch Briefe, etwa an überweisende Ärztinnen und Ärzte oder an die Patientin selbst. Grundlage ist dann nicht nur das Gespräch, sondern die Akte. Wie das funktioniert und worauf Sie dabei achten, steht unter [Arztbrief mit KI erstellen](/de/ki-arztbrief) und [Patientenbrief schreiben](/de/patientenbrief).

## Chetti als Ambient Scribe

Chetti ist ein Ambient Scribe für Arzt- und Zahnarztpraxen. Für Konten laufen Spracherkennung und Sprachmodell im Chetti-Helfer auf dem Rechner der Praxis, die Tonaufnahme wird nicht gespeichert. Die Notiz enthält nur, was im Gespräch gesagt wurde, und Chetti zeigt Hinweise zur Prüfung, wo ein Stichpunkt nicht sicher belegt ist. Mehr dazu auf den Seiten [KI-Dokumentation für die Zahnarztpraxis](/de/ki-dokumentation-zahnarztpraxis) und [KI-Dokumentation für die Arztpraxis](/de/ki-dokumentation-arztpraxis).

## Häufige Fragen

### Was heißt Ambient Scribe auf Deutsch?

Eine feste deutsche Bezeichnung gibt es nicht. Üblich sind KI-Dokumentation, KI-gestützte Gesprächsdokumentation oder digitaler Dokumentationsassistent. Gemeint ist Software, die beim Behandlungsgespräch mithört und daraus die Notiz für die Akte entwirft.

### Muss die Patientin der Aufnahme zustimmen?

Sie muss vor der Aufnahme informiert werden, nach [Art. 13 DSGVO](https://dsgvo-gesetz.de/art-13-dsgvo/). Ob die Praxis die Verarbeitung auf eine Einwilligung oder eine andere Rechtsgrundlage stützt, klärt sie mit ihrem Datenschutzbeauftragten. Wer nicht möchte, dass das Gespräch erkannt wird, sollte ohne Nachteile darauf verzichten können.

### Ersetzt ein Ambient Scribe die ärztliche Dokumentation?

Nein. Er liefert einen Entwurf. Die Verantwortung für die Akte bleibt bei der Ärztin oder dem Arzt, deshalb wird jede Notiz vor dem Übernehmen geprüft.

### Funktioniert ein Ambient Scribe auch in der Zahnarztpraxis?

Ja, wenn er die Fachbegriffe kennt. In der Zahnmedizin gehören dazu das FDI-Zahnschema und die Begriffe aus BEMA und GOZ. Chetti ist auf die Zahnmedizin ausgerichtet, mehr dazu unter [KI-Dokumentation für die Zahnarztpraxis](/de/ki-dokumentation-zahnarztpraxis).
